Neben dem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, sollte es doch parallel auch ein Recht auf Beendigung des eigenen Lebens geben. Die jetzige Debatte um die Patientenverfügung ist doch nun wirklich hinfällig. Die große Koalition schiebt die Entscheidung, inwieweit ein Patient selber über ein Ende der Lebenserhaltung entscheiden kann, jedoch vor sich her, als würde es um den Verbot von Kaugummi in der Fußgängerzone gehen.
Eine Verschiebung der Abstimmung, weil es Unklarheiten wegen der Reihenfolge der Abstimmung gibt? Ist das euer Ernst? Gab es keinen offensichtlicheren Scheingrund? Die Damen und Herren im Parlament dürfen sich glücklich schätzen, dass sie vor dem nächsten geplanten Abstimmungstermin nochmal in Urlaub fahren können, ihr Haus renovieren oder mit ihren Enkelkindern spielen können, während die Patienten, die zur Zeit davon betroffen sind, im Krankenbett kurz vor ihrem Tod stehen und erfahren, dass sie nun doch noch ein paar Monate oder Jahre an diesem tristen Ort unter diversen agressiven Schmerzmitteln ihr kümmerliches Dasein führen müssen.
Was genau bedeutet das Recht auf körperliche Unversehrtheit? Sind es erst die Folgen von Schmerzen oder schon die Schmerzen selber? Denn wenn es schon die Schmerzen sind, verstößt jeder Arzt oder Familienangehöriger, der sich dem Willen des Patienten widersetzt und ihm unnötig bzw. verglichen mit dem Gewinn unangemessen Schmerzen und Leiden zufügt, gegen dieses Grundgesetz.
Jeder hat das Recht auf Leben, genauso wie jeder auch das Recht auf seinen eigenen Tod hat. Wie offen und liberal kann unsere Gesellschaft behaupten zu sein, wenn wir in das persönliche Terrain eines Menschen, sprich seinen eigenen Körper, eingreifen wollen, als hätten wir das Recht darüber und wüssten sowieso besser als er, was gut für ihn ist.
Wenn nicht schon früher, müsste spätestens jetzt jedem klar geworden sein, dass die Große Koalition in ihrer Aufgabe versagt hat und wir unbedingt eine neue Aufgabenverteilung brauchen. Wenn schon keine Koalition der CDU und FDP, dann doch wenigstens eine, die doch tatsächlich etwas bewirkt in den nächsten vier Jahren anstatt nur Steine in den Weg zu legen.
Schlagworte: Große Koalition, Grundrechte, Konflikte, Patientenverfügung, Superwahljahr
